Der Buchautor Daniel Glattauer blickt frontal in die Kamera

Internet und Romantik: kein Widerspruch!


Autor Daniel Glattauer (49) telefoniert nicht gern. Er mailt lieber. So wie das Liebespaar in seinem Bestseller "Gut gegen Nordwind". In einem E-Mail-Interview erzählt er, warum die Suche nach Liebe im Internet romantisch sein kann. Und was indische Laufenten damit zu tun haben.

von Christoph | Foto: Deuticke | Corn 21.November 2009



in-search: Herr Glattauer, Ihr Steckbrief in einer Singlebörse könnte lauten: 1,83 Meter groß, schlank, Brillenträger. Mag keinen Streit, telefonieren noch weniger. Welchen Steckbrief von einer Dame fänden Sie interessant?
Daniel Glattauer: Das ist genau die richtige Frage für einen Mann, der seit 25 Jahren mit der gleichen Frau zusammen ist! Aber okay, angenommen, ich wäre in der Singlebörse. "Mag keinen Streit" würde ich nie hineinstellen. Das klingt abschreckend langweilig. Und mir selbst würde wohl am ehesten eine Frau mit einem völlig unkonventionellen Steckbrief ins Auge springen. Es müsste darin eine Mitteilung enthalten sein, die mich zu einer Rückmeldung drängt. Zum Beispiel könnte sie die Frage stellen, wovon es abhängt, ob indische Laufenten Eier legen oder nicht. Da bin ich Experte!

in-search: Welchen Reiz hat es, im Internet nach der "großen Liebe" zu suchen?
Glattauer: Offensichtlich einen enorm hohen. Der Reiz besteht vermutlich darin, dass nach oben hin alles möglich erscheint. Dass man sich seinen Wunschpartner zusammenstückeln kann, aus dem, was er sagt (schreibt), andererseits aus dem, was man sich ausmalt, was die Phantasie daraus macht.

in-search: Ist es romantisch, im Internet zu flirten?
Glattauer: Das kommt darauf an, ob man ein romantischer Typ ist, ob man an einen romantischen virtuellen Zweiten gerät und ob man Lust und auch das Talent hat, diese romantischen Bedürfnisse in Worte zu kleiden. Jedenfalls ist "Internet" und "Romantik" als solches kein Widerspruch.

in-search: Was muss man mitbringen, um sich auf das Abenteuer virtuelle Partnersuche einzulassen?
Glattauer: Die Bereitschaft, seine Stärken und Schwächen, Vorlieben und Abneigungen offen und ungeschminkt darzulegen, und auch über Gefühle zu sprechen. Haben beide echt und ehrlich gemailt, dann wird es auch bei einer physischen Begegnung zu keinen allzu großen unerfreulichen Überraschungen kommen. Dennoch hat die virtuelle Partnersuche ihre Grenzen. Ob man jemanden körperlich anziehend findet, weiß man erst bei der Begegnung.

in-search: Wenn Sie Single wären - würden Sie es statt in der Kneipe oder Disko im Netz versuchen?
Glattauer: Möglicherweise. In der Disko versteht man nicht einmal sein eigenes Wort. In der Kneipe grübelt man stundenlang, welche blöde Einstiegs-Floskel man verwenden soll, um ins Gespräch zu kommen. Im Netz kann man wenigstens erste Akzente setzen. Ich würde mich aber darum bemühen, den virtuellen Raum bald zu verlassen, damit ich nicht zum Opfer meiner Illusionen und Wunschvorstellungen werden würde.
Der Buchautor Daniel Glattauer blickt frontal in die Kamera



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